Fachwissen

 

 

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Baumumfeldverbesserung

 

Autor: Tobias Schlimme

 

© 2013

 

 

 

Inhaltsverzeichnis

 

Baumumfeldverbesserung

1.      Ermittlung der Maßnahmen

2.      Qualitätsfaktoren

3.      Maßnahmen

4.      Gefahren für den Baum bei der Veränderung des Baumumfeldes

5.      Motivationen für eine Verbesserung des Baumumfeldes

5.1        Präventiv

5.2        Kurativ

5.3        Abwägung der Maßnahmen

6.      Hinweise zur Durchführung geeigneter Maßnahmen

6.1        Nährstoffversorgung

6.2        Bodenlockerung

6.3        Bodenaustausch

6.4        Erweiterung des durchwurzelbaren Bodenraumes

6.5        Entsiegelung

6.6        Einbau von Einrichtungen zur Verbesserung der Wachstumsbedingungen

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

 

 

 


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Baumumfeldverbesserung

Baumumfeldverbesserung ist ein Aufgabengebiet der Baumpflege. Das Baumumfeld umfasst bezüglich der Baumpflege primär den Boden im Wurzelbereich eines Baumes und sekundär die Bebauung, die Bepflanzung und den Verkehr, die in diesem Bereich wirken.

 

 

1. Ermittlung der Maßnahmen

 

Zur Baumumfeldverbesserung ist die Ermittlung und Festlegung der Maßnahmen durch geeignete Voruntersuchungen (z.B. Bodenuntersuchung[1], Baumdiagnose) erforderlich. Die Maßnahmen richten sich nach dem Zustand des Baumes und der Standort-Situation.[2]

 

 

2. Qualitätsfaktoren

 

Faktoren für die Qualität des Bodens im Wurzelbereich sind die physikalischen, chemischen und biologischen Eigenschaften des Bodens, wie[3]

 

2.1 die Bodenstruktur (siehe Wikipedia: Bodengefüge) und deren Stabilität,

 

2.2 die Wasserzufuhr (Infiltration),

 

2.3 die Wasserdurchlässigkeit (Permeabilität) und –speicherfähigkeit,

 

2.4 die Nährstoff versorgung und –verfügbarkeit,

 

2.5 das  Wurzelwachstum und

 

2.6 der Gasaustausch.

 

 

 

 

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3. Maßnahmen

 

3.1 Entfernung von Überschüttung und von Ablagerungen (Salz- und andere schädigende Stoffeinträge). Überschüttung ist nachträglich aufgebrachte Erde oder anderes Material, welches die Wurzelanläufe (siehe Wikipedia: Wurzelanlauf) überdeckt.[4]

 

 

Das Standardwerk ZTV-Baumpflege benennt folgende weitere Maßnahmen zur Verbesserung des Baumumfeldes:

 

3.2 Entsiegelung (siehe: Flächenversiegelung)

 

3.3 Bodenlockerung

 

3.4 Bodenaustausch

 

3.5 Einbau von Belüftungseinrichtungen

 

3.6 Erweiterung des bewurzelbaren Bodenraumes

 

3.7 Nährstoffversorgung

 

3.8 Reduktion oder Entfernung von baumfremdem Bewuchs nur bei Beeinträchtigung der Entwicklung oder der Erhaltung eines Baumes

 

3.9 Ausbringung von wurzelstimulierenden Bodenhilfsstoffen

 

3.10 Weitere Maßnahmen zur Standortverbesserung:

 

a) Nicht-Versiegeln des Bodenraumes

 

b) Schutz von nichtversiegeltem Bodenraum vor Belastung durch Betreten und Befahren

 

c) Geeignetes Mulchen des Bodenraumes

 

d) Erhalt vorhandener Vegetationsdecken

 

e) Auswahl von Pflanzen mit geringer Wurzelkonkurrenz für Vegetationsdecken

 

f) Impfung mit Mykorrhiza -Pilzen

 

 

Die ZTV-Baumpflege enthält sowohl Durchführungshinweise zu diesen Maßnahmen, als auch weiterführende Verweise auf einige Standardwerke, die am Ende des Artikels unter Literatur  zu finden sind.

 

 

 

 

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4. Gefahren für den Baum bei der Veränderung des Baumumfeldes[5][6]

 

4.1 Bodenbewegung im Wurzelbereich, z.B. durch Bodenauf- oder abtrag, auch in der Nähe des Wurzelbereichs)

 

4.2 Bodenverdichtung durch Begehen und Befahren

 

4.3 Chemische Verunreinigung, z.B. durch Überdüngung

 

4.4 Erosion, z.B. nach Reduktion oder Entfernen der Vegetationsdecke

 

4.5 Mechanische Beschädigung oder Zerstörung im Wurzel- oder oberirdischen Bereich

 

4.6 Freistellen von Bäumen, z.B. wegen erhöhter Windlast oder Sonneneinstrahlung

 

4.7 Vernässung oder Überstauung, z.B. durch Bewässerung

 

4.8 Grundwasserabsenkung, z.B. durch Drainage

 

 

 

 

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5. Motivationen für eine Verbesserung des Baumumfeldes

 

5.1 Präventiv

 

Schon bei der Pflanzung eines Baumes sollte eine Verbesserung des Baumumfeldes stattfinden, damit er sich in der Folge gesund und schadenfrei entwickeln kann. Außerdem sollte eine für den Standort geeignete Baumart und –größe gewählt werden.

 

5.2 Kurativ

 

Eine Verbesserung des Baumumfeldes kann im Nachhinein vorgenommen werden, wenn Schadsymptome oder Entwicklungsstörungen am Baum festgestellt werden, bei denen mögliche Ursachen im Baumumfeld festgestellt werden, oder wenn durch eine Verbesserung des Baumumfeldes ein Abklingen der Schadsymptome oder eine zukünftig gesündere Entwicklung des Baumes erwartet werden kann.

 

5.3 Abwägung der Maßnahmen

 

Ein nicht optimales Baumumfeld kann seine Verbesserung notwendig machen, muss es aber nicht. Ein Beispiel: Insbesondere im städtischen Bereich kommt es vor, dass der statisch wirksame Wurzelbereich von Bäumen durch angrenzende Bebauung stark eingeschränkt ist. Mit zunehmender Größe wäre der Baum durch den beschränkten Wurzelbereich nicht standsicher. „Allerdings passt sich ein Baum an solch eine Situation auch aus statischer Sicht sehr gut an, wenn er bereits seit seiner Jugend mit diesen Verhältnissen konfrontiert war.“[7] Das Umfeld des Baumes kann jedoch auch Hinweise auf bereits bestehende oder in der Zukunft wahrscheinliche Schäden und Fehlentwicklungen geben, die am Baum selbst noch nicht zu sehen sind (siehe: Baumkontrolle).

 

 

 

 

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6. Hinweise zur Durchführung geeigneter Maßnahmen[8]

 

6.1 Nährstoffversorgung

 

Überdüngung kann ebenso schädlich sein wie Nährstoffmangel. Sind Symptome eines Nährstoffmangels zu erkennen, soll vor der Düngung eine Bodenanalyse erfolgen. Ziel ist es, den Nährstoffhaushalt des Bodens ins Gleichgewicht zubringen. (Siehe unter Literatur | : Beschreibendes Düngemittelverzeichnis für den Landschafts- und Sportplatzbau)

 

6.2 Bodenlockerung

 

Oberflächliche Verdichtungen des Bodens können wurzelschonend gelockert werden. Tief reichende Verdichtungen können zwar durch Spezialverfahren kurzfristig gelockert werden, für eine nachhaltige Wirkung müssen jedoch in den meisten Fällen ebenfalls eine Bodenverbesserung auf Grundlage der Bodenanalyse, und Belüftungsmaßnahmen durchgeführt werden.

 

6.3 Bodenaustausch

 

Nicht lockerungsfähiger Boden oder verunreinigter Boden, der nicht verbessert werden kann, kann durch wurzelschonendes Absaugen entfernt werden. Der durchwurzelbare Bereich soll nach Möglichkeit erweitert werden. Die freigelegten Wurzeln müssen sofort gegen Frost und Trockenheit geschützt werden.

 

6.4 Erweiterung des durchwurzelbaren Bodenraumes

 

(Siehe unter Literatur | : Empfehlungen für Baumpflanzungen – Teil 2)

 

6.5 Entsiegelung

 

Oberflächliche Verdichtungen und Beläge können, möglichst wurzelschonend und weiträumig, entfernt werden. Der entfernte Boden muss geeignet ersetzt werden. Die Verwendung von strukturstabilen Gemischen kann der Verdichtung durch mechanische Belastung entgegenwirken.

 

6.7 Einbau von Einrichtungen zur Verbesserung der Wachstumsbedingungen

 

Bei Auffüllung des Bodenraumes kann der vertikale Einbau erfolgen. Nähere Auskünfte dazu geben RAS-LP 4, Empfehlungen für Baumpflanzungen – Teil 2 und TL Gestein StB.

In allen anderen Fällen muss der vertikale Einbau erfolgen, wie er in der ZTV-Baumpflege und den Empfehlungen für Baumpflanzungen – Teil 2 beschrieben wird.

(Alle genannten Werke sind unter Literatur zu finden.)


 

Literatur

 

  1. Baumkontrollrichtlinien: Richtlinien für Regelkontrollen zur Überprüfung der Verkehrssicherheit von Bäumen, Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V. (FLL) 2013
  1. ZTV-Baumpflege: Zusätzliche Technische Vertragsbedingungen und Richtlinien für Baumpflege, Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V. (FLL) 2006
  1. Andreas Roloff: Baumpflege, Ulmer 2008
  1. Baumuntersuchungsrichtlinien: Richtlinien für eingehende Untersuchungen zur Überprüfung der Verkehrssicherheit von Bäumen, Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V. (FLL) 2010
  1. Empfehlungen für Baumpflanzungen – Teil 2, Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V. (FLL) 2010
  1. RAS-LP 4: Schutz von Bäumen, Vegetationsbeständen und Tieren bei Baumaßnahmen, Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen e.V. (FGSV) 1999
  1. Empfehlungen zur Straßenbepflanzung in bebauten Gebieten, Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen e.V. (FGSV)
  1. Qualitätsanforderungen und Anwendungsempfehlungen für organische Mulche und Komposte im Landschaftsbau, Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V. (FLL) 1994
  1. TL Gestein StB: Technische Lieferbedingungen für Gesteinskörnungen im Straßenbau, Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen e.V. (FGSV)

 

 

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Weblinks

 

  1. Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V. (FLL)
  1. Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen e.V. (FGSV)

 

 

 

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Einzelnachweise



[1]FLL: Baumkontrollrichtlinien, FLL 2013, S. 18, 5.2.2.2 Technische Untersuchungsverfahren

 

[2]FLL: ZTV-Baumpflege, FLL 2006, S. 43, 3.6.1 Baumumfeldverbesserung/Allgemeines

 

[3]FLL: ZTV-Baumpflege, FLL 2006, S. 43/44, 3.6.1 Baumumfeldverbesserung/Allgemeines

 

[4]Andreas Roloff: Baumpflege, Ulmer 2008, S. 125

 

[5]FLL: Baumkontrollrichtlinien, FLL 2010, S. 16, 4.2.4 Freistellung von Bäumen und S. 21, 22, 5.2.2.3 Veränderungen des Baumumfeldes

 

[6]FLL: Baumuntersuchungsrichtlinien, FLL 2013, S. 13, 4.2 Entwicklungen, die die Verkehrssicherheit beeinträchtigen können

 

[7]Zitat: Andreas Roloff: Baumpflege, Ulmer 2008, S. 115

 

[8]FLL: ZTV-Baumpflege, FLL 2006, S.43-45, 3.6 Baumumfeldverbesserung

 

 

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